Stadtbaukunst heute und morgen – Das Riemer Rückgrat

Am Freitag, 16. August 2019 ist in der Süddeutschen Zeitung der Artikel “Elf Hochhäuser für die Messestadt” (www.sueddeutsche.de/muenchen) zum Konzept der Riemer Achse erschienen. Alfred Dürr berichtet darin über die Riemer Achse und über den Vorschlag von Andrea Gebhard mit elf Holz-Hochhäusern das Riemer Rückgrat zu stärken.

Der Grundgedanke der Messestadt-Riem

Das ehemalige Flughafengelände München Riem wurde 1992 mit dem Planungs- und Durchführungsauftrag für den Flughafen München II im Erdinger Moos für neue Planungen frei. Seither verfolgt Andrea Gebhard, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, die Planungen im neuen Stadtteil.

Die LH München sah von Planungsbeginn an einen qualifizierten, ökologisch orientierten Städtebau für den Stadtteil vor. In München Riem sollte ein neuer Stadtbaustein entstehen, der eine klare Alternative zum Einfamilienhaus schafft. Mit Angeboten wie See- und Parklandschaft sollte eine Lebensidee entstehen – das Leben in der Stadt sowie die Erholung ohne Wegzufahren. Festgelegt wurden damals 1/3 Grün, 1/3 Gewerbe (davon größtenteils Messe) und 1/3 Wohnen. Umgesetzt in der Messestadt-Riem wurden sogar 50 % Grünanteil.

Nachverdichtung in München

In München fehlen Mietwohnungen, die Preise steigen und es werden vor allem im freifinanzierten Sektor Eigentumswohnungen gebaut. Mitunter ein Grund dafür ist die Flächenknappheit der Stadt München, die dazu veranlasst, die Flächen in München noch effizienter zu nutzen. Einst verfügbare Kasernenareale wurden bereits entwickelt, lediglich die Nachverdichtung kann ausgeschöpft werden. Auch im Hinblick auf den Flächenverbrauch in Bayern und unserer gemeinsamen Aufgabe zum Schutz der Ressource Boden, hat sich Andrea Gebhard für die Erreichung des 5 Hektar Ziels stark gemacht.

Das Riemer Rückgrat als Experiment

Die Grünfläche zwischen der Messe und der Siedlung, die sogenannte Riemer Achse, ist ohne bedeutende Funktion und im Zuge der Nachverdichtung besonders interessant. Sowohl die von Süden an die Achse anschließende Wohnbebauung als auch das Messegelände von Norden wenden der Achse ihren Rücken zu. Es steht die Frage im Raum, wie diese Achse aufgewertet werden kann.

Einen wesentlichen Beitrag könnte ein sogenanntes Riemer Rückgrat leisten, das mit einer städtebaulichen Figur der Messestadt-Riem ein besonderes Gesicht geben kann. Das Riemer Rückgrat ist ein Experiment im Hinblick auf die essentiellen Fragen des Städtebaus nach neuen Lösungen für Abstandsflächen, zu neuen Wohnformen und als Beitrag zum Mietwohnungsbau. Ziel ist es in ersten Gesprächen zu eruieren, inwieweit das Konzept des Riemer Rückgrats tragfähig ist und zur Wohnungslage in München einen besonderen Beitrag leisten kann.

Die städtebauliche Figur

Auf der Riemer Achse wären multicodierte, gemeinschaftliche Nutzungen möglich, die nicht nur zur Nachverdichtung beitragen, sondern gleichzeitig eine städtebauliche Qualität für Riem entwickeln. Die Hochpunkte greifen durch ihre Positionierung die Grünachsen der Siedlung auf und akzentuieren auch im übertragenen Sinne diese Strukturen. Die Gebäude sind für die Riemer Achse konzipiert. Die Gebäude sollen in einer Kette von innovativen und experimentellen Wohntypologien und ggf. auch Verwaltungs- und Bürohäuser entstehen.

Qualität des öffentlichen Raums – die Inwertsetzung der Riemer Achse

Der öffentliche Freiraum wird durch einen großzügigen Boulevard aufgewertet. Anstatt des „toten Rückens“ zur Messe hin, wird dadurch in der Messestadt-Riem ein vollkommen neuer Raum geschaffen. Für die Hausgemeinschaft, als auch für die Nachbarschaft stehen im Erdgeschoss Cafés mit angeschlossenem Co-Working-Spaces, kleinen Einkaufsmöglichkeiten und Paketsammelstellen zur Verfügung – auch Kioske könnten verwirklicht werden. Dadurch beleben die öffentlich genutzten Erdgeschosse auch den Freiraum. Der Boulevard präsentiert sich mit Heckengärten und Gartenelementen, die Rückzugsorte für die Bewohner in ihrer Freizeit oder für die Mittagspause bieten.

„Stadtbaukunst heute und morgen – Bauten für das Riemer Rückgrat“ wird ungewöhnliche Bauten und Wohnungen hervorbringen, die die allgemeine Architektendiskussion beeinflussen werden.


Landschaftsarchitekten BDLA Stadtplaner Partnerschaftsgesellschaft mbB

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